Höhlentauchen

Höhlentauchen - Abenteuer unter Wasser

Eintauchen in die Tiefen der Unterwasserwelt, Orte entdecken und erforschen, die vielleicht noch nie ein Mensch vorher gesehen hat - spannend und faszinierend ist der Tauchsport ohnehin, doch eine ganz besondere Herausforderung ist sicherlich das Höhlentauchen: Verschlungene Gänge voller Geheimnisse ebnen den Weg zu großen Unterwasserhallen, die an Ruinen einer versunkenen Stadt erinnern. Überwältigend auch, Tropfsteinhöhlen unter Wasser mit allen Sinnen zu erleben und diese einzigartigen Eindrücke fotografieren und filmen zu können. - Doch ebenso groß wie die Faszination dieses speziellen Tauch-Abenteuers ist das Risiko, das es mit sich bringt, denn das Höhlentauchen gilt als eine der riskantesten Sportarten überhaupt.

Mit dem Eintauchen in eine Höhle setzt sich der Taucher einem riskanten Unterfangen aus, das ihm schlimmstenfalls das Leben kosten könnte. Wer dort in Gefahr gerät, kann nicht schnell hoch- und auftauchen. Denn jede Höhle ist ein Raum. Der einzige Weg hinaus ist der Weg zurück zum Höhleneingang und demnach wie weit der Taucher sich schon im Inneren der Höhle befindet, kann der Tauchgang zurück in sichere Gefilde unendlich lang werden. Wer sich dabei auch noch verirrt, verbraucht sehr viel mehr Sauerstoff als geplant, bis er wieder zum Höhleneingang zurückgefunden hat - wenn er ihn denn findet, bevor die Sauerstoffflaschen leer sind, wenn nicht, wird er qualvoll ertrinken, unbemerkt von der Welt, die über dem Wasser liegt. - Die Faustregel für die Atemversorgung basiert darum auf der Rechnung: je ein Drittel einzuplanen für Hin- und Rückweg, sowie ein Drittel als Reserve für Notfälle vorrätig zu halten.
Ein großes Risiko beim Höhlentauchen ist auch die Gefahr der Unterkühlung. Davor kann während ausgeprägt langem Unterwasseraufenthalt auch der beste Hightech-Trockenanzug nicht ausreichend schützen. Bei beginnender Unterkühlung sollte darum generell sofort der Tauchgang abgebrochen und der Rückweg angetreten werden.

Höhlentauchen ist kein geeigneter Sport für Tauchanfänger. Auch eine umfassende Ausbildung im Freiwasser-Tauchsport reicht nicht aus. Eine spezielle Ausbildung ist unbedingt erforderlich, ausgeprägte Tauch - Erfahrung, insbesondere im Nacht- und Eistauchen sind von Vorteil. Ratsam ist auch, nicht alleine, sondern mit einem Tauchpartner hinab zu steigen. So besteht in lebensgefährlichen Situationen, beispielsweise durch eine Verletzung hervorgerufen, immer noch die Chance der Rettung.

Am allerwichtigsten ist eine spezielle Ausrüstung, die nicht nur vorhanden sein sollte, sondern vor jedem Höhlen-Tauchgang unbedingt akribisch auf ihre Funktionalität überprüft werden muss. Schon ein kleiner, feiner Riss im Tauchanzug oder ein Wackelkontakt in einer Lampe könnten später ausschlaggebend für höchste Not werden.

Die Grundausrüstung des Höhlentauchers muss mindestens bestehen aus: einem unversehrten Trockentauchanzug, der mit hohem Kälteschutz versehen ist; einem Tiefenmesser, sowie Kompass und Finimeter (Luftdruckmesser); einem Tauchcomputer und mehreren Unterwasserlampen; einer robusten Führungsleine und einer Doppeltauch-Flasche mit mehreren Abgängen, die bei technischen Problemen zusätzliche Sicherheit für die Atemversorgung bietet. Wichtig auch der `Wing`, ein am Rücken befindlicher Auftriebskörper, der für eine gleichmäßige Tarierung sorgt, so dass sich der Taucher in der Höhle bequem in waagerechter Lage halten kann.
Der Höhlentaucher muss mit seiner Ausrüstung so sehr vertraut sein, dass er sie `blind´ bedienen kann. Wenn er sich beispielsweise durch den Ausfall der Unterwasserlampe urplötzlich in Dunkelheit befindet, dann hat er keine Möglichkeit seine Ausrüstung zu sichten, um eine Ersatzlampe hervor zu holen. Er muss spontan, wie mit geschlossenen Augen handeln können, jeder Handgriff muss intuitiv sitzen. Ebenso vertraut sollte ihm auch die Ausrüstung des Tauchpartners sein, um ihm im Notfall helfen zu können. Von großem Vorteil ist auch, wenn der Höhlentaucher über einen gut geschulten, sehr ausgeprägten Tastsinn verfügt.
Die „3L-Regel” - Bezug nehmend auf die ausreichende Planung von Luft, Leine und Licht - muss konsequent eingehalten werden. Atemgas-Planung, leistungsstarke Lampen, sowie eine intakte, reißfeste Führungsleine sind ein absolutes Muss für jeden Höhlentauchgang. - Die Schwierigkeit des Höhlentauchens liegt nämlich nicht darin in eine Höhle einzutauchen und sie zu erkunden, sondern darin, auch wieder heil aus ihr herauszufinden! Was nur möglich ist mit ausreichendem Atemgas-Vorrat, einer stabilen Führungsleine, die sicher zum Höhleneingang zurück führt und stets funktionierenden Lampen, die durchgehend Licht zur Orientierung bieten.

In Höhlen herrscht viel Enge, es kann sein, dass sich die Höhlendecke nur eine Hand breit über dem Kopf befindet oder anstatt einem breiten Pfad nur ein Schlupfloch das Weiterkommen möglich macht. Zudem sind die Höhlengänge oft so verwinkelt, dass der Weg zurück zum `Quelltopf`, dem Höhleneingang, zum zeitraubenden Kraftakt werden kann, was schnell zu Unsicherheiten, vielleicht sogar zu einer Panikattacke führen kann.
Ein Höhlentaucher sollte darum auch über psychische Ausgeglichenheit und Belastbarkeit verfügen, um in der Lage zu sein, aufkommende Panikattacken mental im Keim ersticken und die Nerven behalten zu können. Um sich schon vor dem Tauchgang ein Gefühl der Sicherheit zu verschaffen ist empfehlenswert, sich vorab eingehend über Lage, Größe und Beschaffenheit der Höhle zu informieren. Taucher, die einem Tauchverband angeschlossen sind haben in der Regel immer die Möglichkeit, Einsicht in Höhlenskizzen und Aufzeichnungen anderer Taucher zu nehmen.

Höhlentaucher dürfen aufgrund der Enge in Höhlen nicht an Klaustrophobie oder ähnlichen Ängsten leiden. Wer Probleme damit hat sich in der Dunkelheit oder in engen Räumen aufzuhalten, sollte im eigenen Interesse lieber auf diesen speziellen Tauchsport verzichten. - An der Faszination des Höhlentauchens aber kann er sich dennoch erfreuen: Denn in den Weiten des Internets ist eine große Vielfalt an Berichten und Fotos von erfahrenen Höhlentauchern zu finden. Einige stellen sogar Videos über ihre Tauchgänge ins Netz, anhand derer jeder Interessierte virtuell am Abenteuer des Höhlentauchens teilhaben kann.

Selbst erleben ist natürlich ein größerer Kick, ohne Frage, aber das virtuelle Erlebnis bietet die Sicherheit, nicht in lebensbedrohende Situationen zu geraten - Gefahren, denen sich selbst der erfahrene Höhlentaucher mit jedem Eintauchen in eine Unterwasserhöhle erneut aussetzt.

3. August 2009

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